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Beim Tanzen des Tango Argentino kann man zwischen verschiedenen Stilen[19][20] unterscheiden (die Reihenfolge richtet sich hier nach der Häufigkeit): * Tango de Salon (Salontango) – Der Name Tango de Salon leitet sich aus der Tatsache ab, dass er im Salon, auf der Milonga getanzt wird im Abgrenzung zum Bühnentango. Bis vor kurzem wurde in Buenos Aires der "soziale Tango" fast ausschließlich durch diesen Begriff bezeichnet, erst seit ca. 2000 kamen andere Bezeichnungen wie "Milonguero" oder "Villa Urquiza" dazu, um Unterstile zu definieren. Der Salontango verzichtet weitgehend auf komplizierte Techniken, um aus Höflichkeit den Tanzfluss der anderen Paare nicht zu stören - wenn die Tanzsituation freier wird, überrascht der Salontango auch mit virtuosen Figuren. Ein eleganter Tango-Stil, der sich durch ruhige, gemessene und weich ausgeführte Bewegungen auszeichnet. Er enthält alle grundlegenden Tango-Schritte und -Figuren plus Ganchos, Sacadas, Giros und Voleos. Die Betonung liegt auf Präzision, Glätte und eleganten Linien. Die enge Umarmung kann sich flexibel öffnen, um Raum für verschiedene Figuren zu schaffen, und schließt sich wieder für Unterstützung und Gleichgewicht. Häufig gelehrt wird eine Haltung, bei der auf der umarmenden Seite ein enger Kontakt besteht und an der gegenüber liegenden Seite ein gewisser Abstand bleibt (von oben betrachtet sind die Oberkörper so in einer V-förmigen Anordnung). Eine neu aufkommende Variante des Salon-Stils ist der Villa Urquiza-Stil, bei dem die Folgenden mehr Freiheit für Verzierungen haben. Der Salontango hat eine lange Entwicklungsgeschichte hinter sich[20] und vereint daher ein sehr vielfältiges Spektrum an Techniken und Elementen, so dass man sagen kann, dass sich ein Großteil der heutigen Tänzer mit diesem Stil identifizieren kann. - Man tanzt diesen Stil z. B. zur Musik von Di Sarli. * Estilo Milonguero – Mit diesem Begriff bezeichneten ursprünglich Europäer und einige Nordamerikaner den Tanzstil in sehr enger Umarmung; auch Confiteria-Stil, Club-Stil, Apilado-Stil usw. genannt. Ist gewöhnlich in sehr überfüllten Single-Clubs im Zentrum von Buenos Aires zu sehen. Dieser Stil wird in sehr enger Umarmung mit vollem Oberkörperkontakt getanzt, wobei sich die Partner etwas aneinander lehnen (- niemals aneinander hängen) und einfache Geh- und Drehschritte ausführen. Dieser Stil erfordert eine eher rhythmisch betonte Musik. Man tanzt diesen Stil z. B. zur Musik von D’Arienzo oder Tanturi. * Neotango – Bezeichnend für diesen Tanzstil ist das bewusste Öffnen der Tanzhaltung. Die im Salon-Tango favorisierte enge und auf parallelen Verlauf ausgerichtete Oberkörperhaltung wird hier durch das Spielen mit dem Abstand und durch Wegdrehen verändert. Dadurch werden auch Positionen neben- oder hintereinander möglich. Außerdem werden Elemente aus dem Bühnentango eingeführt.[21] Charakteristisch sind u. a. Elemente, die mit der Aufgabe der Achse eines bzw. beider Tanzpartner spielen (Colgadas, Volcadas). Man tanzt diesen Stil z. B. zur Musik von Gotan Project. * Tango Líquido[19] – Ein recht junger Stil, in dem die recht enge Haltung des Salon-Tango und die offenere Haltungsarbeit des Tango nuevo fließend („líquido“, also flüssig) ineinander übergehen, um sowohl die Nähe des Tango salon als auch die Dynamik des „Neuen Tango“ tanzen zu können. Er eignet sich für die Tango-Musik-Stile, in denen Techniken des Tango nuevo angebracht erscheinen, die Tänzer außer den dramatischen Bewegungen des Tango Nuevo auch die Nähe des Anderen spüren wollen; z. B. zu dramatischer Musik wie von Pugliese. Von diesem praktisch nicht zu unterscheiden ist der * Organic Tango[22], dessen Vertreter nur das, was aus dem Zentrum des Körpers kommend geführt bzw. gefolgt werden kann, als geeignet anerkennen.[23] Damit befindet man sich mitten im Übergangsfeld zwischen einem eigenen Stil und einer Lehrmeinung; ein Indiz dafür ist, dass man die Prinzipien des Organischen Tango verlustfrei auf die vorher genannten Stilen anwenden kann (aber nicht muss). Der Organische Tango kann zu allen Tango-Musikstilen getanzt werden. * Tango Orillero[19][24] – Der wilde, explosive Tanzstil aus den ärmlichen Vororten (orillas) von Buenos Aires und Montevideo, bei dem der Mann viele schnelle synkopierte Schritte und sogar Sprünge ausführt. Wurde von Männern eingeführt, die ein neues Selbstbewusstsein zu Schau trugen. Übergang von der gebückten, mit tiefem Pliée getanzten Form zur aufrechten geraden Haltung, die letztlich zum Tango des Salón führte. Er ist eng verwandt mit dem Milonguero-Stil und ein direkter Abkömmling des Canyengue. Man tanzt diesen Stil z. B. zur Musik von D’Arienzo. Alberto Muraro und Marta Lorenzi zeigen einen Tango im Canyengue-Stil (man beachte die charakteristisch stark gebeugten Knie) * Canyengue [19] – Ein sehr alter Tango-Stil aus der Zeit zwischen der Jahrhundertwende und dem Beginn der 1940er Jahre. Der Musik dieser Ära war ein schnelles 2/4-Metrum eigen, so dass der Tanz eher rhythmisch betont war, ähnlich der modernen Milonga. Charakteristisch sind eine besonders enge Umarmung mit starkem Kontakt im Becken-Bereich sowie einige einzigartige Haltungs- und Fußarbeit-Elemente; so werden z. B. heftige Bewegungen des Arm- /Schultergürtelbereichs verwendet. Auf dieser Grundlage könnte sich der europäische Tango (vor dem Hintergrund der Körperhaltung in anderen europäischen Tänzen) entwickelt haben. Man kann diesen Stil besonders auf die Tangos der frühesten Ära (z. B. auf Musik von Firpo) tanzen – häufig auch auf Candombes. * Tango al Rêves[25] ist eine in den 1940er Jahren entstandene Variante des Salontango, bei der der Führende in der sogenannten "Schattenposition" ist, d.h. er befindet sich hinter der Folgenden, mit seiner Brust an ihrem Rücken. Eine ungewöhnliche Position, die von experimentierfreudigen Tänzern wiederentdeckt wird. Eine reine Bühnenform. * Tango tradicional, der meist pure und früher Stil, ein Tango der in der Hauptsache rhythmisch gegangen wird, nicht zum compás, also Taktschlag sondern rhythmisch. * Tango con corte y quebrada, ein in der Tangogeschichte sehr früher Stil der über den traditionellen Tango hinaus cortes (Schnitte) y quebradas (gebeugte Posen) und kleine sentadas (Sitzfiguren) einbaut. Die damaligen Quebradas wurden später stilisiert und werden heute allgemein als Pose bezeichnet. * Tango de Fantasía, bezieht sich nicht nur auf die Tanzrichtung, sondern auch auf Musik und Kleidung. Dieser Begriff entsteht bereits in den 40er 50er Jahren in dem Wunsch alles dem traditionellen Tango Abweichende begrifflich fassen zu können. Im Tanz fügte das Paar dem traditionellen Tango kleine Spielereien wie Sentadas und schnelle Beinbewegungen zu. In der Kleidung wird der am Revers weiss eingefasseten Anzug als traje de fantasía benannt. In der Musik fällt Osmar Héctor Maderna[26] mit seinen modernen und vom Tango abweichenden Solos in die Rubrik Tango de fantasía. In der argentinischen Folklore entsteht zur gleichen Zeit ein Begriff für die der tradionellen Folklore abweichenden Formen, hier formt sich der Begriff folklore de projección. * Tango Acrobatico, hier wird eine Akrobatischer Tanz zu Tangomusik aufgeführt. Eine Tanzform mit starken Einflüssen die über Einflüsse vom Ballett hinausgehen, wie Modern Dance, Gymnastik, Eistanz, Jazz, Zirkus, Akrobatik und Contact Improvisation mit Hebungen und akrobatischen Effektfiguren. Erstmals wurde diese Tanzform 1990 bewusst als Konzept geschaffen von Eduardo Arquimbau, der für das Tanzpaar Sandor und Miriam in der Show Forever Tango eine neue Nummer konzipierte[27][28]. Sandor kam aus einer Zirkusfamilie und beherrschte akrobatische Zirkusnummern. Dies nutzte Eduardo Arquimbau für die hier entstandene Nummer. Das damals getanzte Stück heisst Tus ojos del cielo (Volumen 2 der CD Forever Tango, auf dem Titel abgebildet Miriam). Diese Tanzform wurde später von fast allen jungen Paaren kopiert. * Bühnentango und Showtango hierbei handelt es sich um einen Tango der sich den Bühnenbegebenheiten anpasst, wie choreographischen Grundbewegungen (z.B. Diagonalen), Lichtdesign, Bühnenmasse, Publikumsrichtung, Mise en scene, Dramaturgie, etc. Er ist eine dem Theater angepasste Form, was aber keinesfalls bedeutet, dass er akrobatische, circense oder sonstige dem Tango fremde Elemente beinhalten muss oder soll. Jeder Tangostil kann auf der Bühne aufgeführt werden und muss sich rein Bühnentechnisch den Bühnenbedingungen anpassen. Genau genommen soll jeder Tango, also auch der Bühnentango vom Mann geführt und improvisiert werden. Obwohl eine Choreographie ganz oder teilweise vorliegt, sollte der Mann immer seine Rolle als Führender erfüllen und diese Choreographie in jedem Moment in Bewegung, Raum und Musik neu führen, insofern es sich um Tango handelt. Idealer Weise schöpft der Bühnentango aus den ihm eigenen Elementen (caminar, Paso Basico, ochos, giros, contragiros, voleos, llevadas de pie, sacadas, cortes, quebradas, cruze, ganchos - in all seinen Kombinationen). Jedes dem Tango fremde Element verfälscht den Tango - auch auf der Bühne. Eine Dramaturgie kann allerdings Theaterelemente zur Bühnenprojektion verlangen[29][30]. Bühnentango und Showtango darf nicht verwechselt werden mit Tango de Fantasia, Tango Acrobático oder Tango moderno. |
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